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 Betreff des Beitrags: Re: Onkel Hennes Bilderalbum
Ungelesener BeitragVerfasst: So 7. Mai 2017, 20:31 
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Akkutriebwagen in Rheinhessen

Weder die Schienenbusse noch die viele Jahre zuvor auch im Bereich der Eisenbahndirektion Mainz eingeführten Akkutriebwagen vermochten das Sterben des Personenverkehrs in Rheinhessen aufzuhalten.
Mainz bekam bereits in den 1920er Jahren "Wittfeld"-Akkutriebwagen zugeteilt.
Sie waren besonders für die vielen Stichstrecken ein Gewinn, weil das umständliche Rangieren der Lok am Endbahnhof entfiel. Viele dieser Stichstrecken ohne Durchbindung an eine weiterführende Strecke entstanden aus heute kaum noch nachvollziehbaren Prestigegründen. Oft wollten sich nur Provinzgrößen profilieren - bei mancher Strecke war schon während des Baus absehbar, daß das Güter- und Personenaufkommen bescheiden war.
Falls die Staatsbahn nicht wollte, wurde kurzerhand eine private Bahngesellschaft gegründet, etwa das "Eisenbahnkonsortium Bachstein" oder die "Südwestdeutsche Eisenbahngesellschaft" SWEG, die in Rheinhessen zahlreiche Strecken betrieb, zumeist vorrangig, um Landwirtschaft und mittelständische Unternehmen wie Ziegeleien und Brennstoffhändler an das Bahnnetz anzuschließen.
So wurden die Betriebswerke Mainz, Alzey und Worms bereits mit der ersten Serie Wittfelder ab 1910 ausgestattet. 1989 war es das Bw Worms, das als letztes im südwestdeutschen Raum den Nachfolger, die ETA 150 abgeben mußte.

1962, als das Bild entstand, war das Bw Alzey seit 10 Jahren nur noch eine Außenstelle des Bw Worms und die Tage der Baureihe 177 und 178, aber auch der Baureihe 180 in Rheinhessen bereits gezählt. Die Maschinen wurden noch solange eingesetzt, bis die Batterien verschlissen waren. Auf die Hautbahnen wurden sie schon nicht mehr gelassen, stattdessen verkehrten sie z.B. zwischen Bodenheim-Alzey, Gau-Odernheim - Osthofen oder Armsheim-Wendelsheim.
Der 177 109 war bis zum Jahresende 1962 Dienstfahrzeug des Bf Alzey eingesetzt. Er beförderte u.a. Arbeiter auf die einzelnen Stationen oder auch mal den Alzeyer Bahnhofsvorsteher zu dienstlichen Bereisungen.
Als wir, Onkel Hennes und ich uns eisenbahntechnisch Rheinhessen erschlossen, so etwa ab dem Jahre 1967 waren die Baureihen 177, 178 und 180 bereits verschrottet. Im Pv dominierten V 100, VT 98, ETA 150, aber auch die BR 23 war noch zu sehen. Im Güterverkehr bestaunten wir im Bf Alzey die 50 091, die hier gewissermaßen Universalgüterzugdienste auf allen benachbarten Strecken bis Kichheimbolanden versah und zwar immer dann, wenn die Baureihen 211 und 212 nicht genügend "Power" hatten z.B. für Schotterzüge der Kirchheimbolandener Hartsteinwerke bzw. für den Rübenverkehr.
Im Nahgüterverkehr waren die V 100 ausreichend, oft war je Bf nur ein Wagen wöchentlich zuzustellen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Onkel Hennes Bilderalbum
Ungelesener BeitragVerfasst: Mo 15. Mai 2017, 11:09 
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Generalvertretungsleiter

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Der Rheingold in Bacharach
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Solche Züge, die auf Metropolbahnhöfen starteten und mitten hinein in die begehrten Tourismushochburgen wie z.B. den Mittelrhein führten, hatten insbesondere in den Zeiten nach den großen Kriegen Hochkonjunktur. Die Rheinlande hatten diesbezüglich einen enormen Nachholbedarf. Vom November 1918 bis zum 30.Juni 1930 dauerte die Rheinlandbesetzung durch die Franzosen und die -was als noch schlimmer empfunden wurde- Mitwirkung französischer Kolonialtruppen aus Algerien, Marokko und Tunesien.
Schon damals erkannte man, daß hier nie zusammen findet, was nicht zusammen gehört und jeder war froh, als nach dem 30.Juni die Trikolore eingeholt und die letzten Truppen abgezogen waren. Auch die Besatzer waren frustriert. Weit von zuhause und ihren Famiien weg, machte sich bei den Truppen Enttäuschung und fehlende Motivation breit. Auf höherer Ebene war die Enttäuschung noch viel größer, denn es hatte sich der Traum von einer endgültigen Ausdehnung Frankreichs bis zum Rhein auch mithilfe deutscher "Separatisten" nicht erfüllt. Es war eine traditionelle Aversion, die schon Goethe in seinem Faust mehr als 100 Jahre zuvor besang: Ein echter deutscher Mann mag keinen Franzen leiden, doch ihre Weine trinkt er gern.(Auerbachs Keller) und Ernst Moritz Arndt stellte ein paar Jahre später fest: "Der Rhein ist Deutschlands Strom, nicht Deutschlands Grenze"
Auch am Mittelrhein war ab 1.Juli 1930 der Spuk vorbei und langsam konnte sich das Leben wieder normalisieren und so begann auch die Reichsbahn wieder mit Sonderzügen zum Mittelrhein. Sie wurden von meiner Familie gern genutzt, denn mit dem Wohnortbahnhof Gau-Algesheim standen komfortable Anbindungen zur Verfügung.
Es ist schade, daß die meisten bahnlärmgeplagten Mittelrheinanlieger keinen Kontakt mehr zu ihrer Großelterngeneration zu haben scheinen oder sich nicht mehr erinnern können bzw. wollen, sonst wüßten sie, daß ein Großteil des jetzt noch abschöpfbaren Wohlstandes aus der Zeit des Bahntourismus stammt.
Im Sommer 1930, als dieses Bild von dem legendären FFD 102 Rheingold entstand, führte die Reichsstraße noch durch Bacharach. Wir sehen hier die Stelle am heutigen Busparkplatz, der nach der Verlegung der Bundesstraße in den 1950er Jahren am Zufluß des Borbaches in den Rhein entstand. Im Hintergrund das ehemalige Kloster St.Nikolaus, die heutige katholische Pfarrkirche, im Vordergrund die gepflegten Rheinanlagen. Da wo die Blechbude mit halbrundem Dach steht -ein Pavillon für den Weinausschank- ist heute dieB 9.
Die Lok 18 541, eine sogenannte bayerische S/6 war fabrikneu und hatte noch keine Windleitbleche. Wie oft mag sie an den Rhein gekommen sein bis zu ihrer Ausmusterung 1958?

Hier hatte sich das Bild bereits gewandelt: Bacharach 1956.
Die Bespannung des Rheingoldes hatten die Baureihen 01 oder 03 übernommen, aber auch ihre Tage waren bereits gezählt, denn immer häufiger sah man den Rheingold schon in Gestalt der als TEE vermarkteten Baureihe VT 11.5.

Aber der nächste große Wurf war bereits in Planung: Die Elektrifizierung der beiden Rheinstrecken.
Hier beim km 138.1 ist während dieses Frühjahrshochwassers noch nichts von den entsprechenden Bauarbeiten zu sehen.
Nur daß man im Jahr zuvor die B 9 aus dem Ort herausgeholt und vor den Bahndamm verlegt hatte, hatte sich nicht bewährt, denn diese wichtige Nah- und Fernverbindung war durch das Hochwasser mehrere Tag nicht nutzbar.

Die alte B 9 lag oberhalb der Bahndammes und war bei Hochwasser zumindest bis Oberwesel befahrbar.

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 Betreff des Beitrags: Re: Onkel Hennes Bilderalbum
Ungelesener BeitragVerfasst: Di 16. Mai 2017, 11:57 
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Mensch Horst,

das sind ja Waaahnsinns-Schätzchen, die Du uns hier präsentierst. Da gerate ich so richtig ins Schwärmen. Mein bisheriges Lieblingsbild ist der Rheingold mit der S 3/6. Diese ist für mich immer noch eine der schönsten, wenn nicht DIE schönste Lokomotive überhaupt. Das sage ich als Preuße!

Gruß

Heiner

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 Betreff des Beitrags: Re: Onkel Hennes Bilderalbum
Ungelesener BeitragVerfasst: Di 16. Mai 2017, 20:54 
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Generalvertretungsleiter

Registriert: Mo 7. Jun 2010, 14:36
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Heiner Neumann hat geschrieben:
Mein bisheriges Lieblingsbild ist der Rheingold mit der S 3/6.

Die Reichsbahn hat natürlich gelungene Länderbahnlokomotiven gerne übernommen und auch genutzt, z.B. die auch vor dem Rheingold eingesetzte badische IV h, die spätere 18 316, die im offiziellen Dienst 50 Jahre bis 1969 zugebracht hat.

Wegen der jeweiligen Besonderheiten (veränderter Standort der Niederdruckzylinder, Vierzylinder-Verbundtriebwerk, Heusinger-Steuerung u.v.m.) war z.B. bei Übernahme der Lok durch das Personal in Mainz (das in der Regel die Lok bis Emmerich führte) immer wieder Umdenken und höchste Konzentration nötig zusätzlich zu den Besonderheiten des Streckenabschnittes (wie etwa die 100 BÜ zwischen Mainz und Koblenz).

Aus einem zeitgenössischen Bericht
Nach dem Krieg wurden Lokomotiven der badischen IV h beim Bundesbahn-Versuchsamt in Minden beheimatet. 1951 stellte eine von ihnen bei einer Versuchsfahrt mit einem kompletten FD-Zug einen bis heute für deutsche Dampflokomotiven unerreichten Entfernungsrekord auf: Die 977 km lange Strecke von Hamburg-Altona bis Freilassing wurde ohne irgendeine Wartung an einem Stück durchlaufen. Die höchste Geschwindigkeit auf dieser Fahrt betrug 125 km/h. Die Lokomotive hat bei den Zwischenhalten nur Wasser und Kohle aufgenommen.

Noch heute ziehe ich daher meinen Hut vor diesen alten "Meistern" des Rheintales.

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 Betreff des Beitrags: Re: Onkel Hennes Bilderalbum
Ungelesener BeitragVerfasst: Mi 17. Mai 2017, 08:13 
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Den Hut ziehe ich gerne mit! Aber den ziehe ich auch vor den genialen Konstrukteuren dieser überaus gelungenen Lokomotiven.

Gruß

Heiner

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 Betreff des Beitrags: Re: Onkel Hennes Bilderalbum
Ungelesener BeitragVerfasst: Mi 17. Mai 2017, 21:50 
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Generalvertretungsleiter

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Posten 22 Gau-Algesheim
Er bestand bis zum Bau der Überführung 1958 als einer der neuralgischsten BÜ der gesamten Rheinstrecke. Er lag mitten in Gau-Algesheim und es handelte sich bei der Straße um die vielbefahrene B 41, bis zum Bau der A 60 in den 1970er Jahren die Verbindung des Nahetals mit der B 9 Richtung Mainz.
Obwohl nur wenige Meter vom Fdl-Stellwerk und vom Wärterstellwerk West entfernt, hatte dieser BÜ bis zur Schließung einen Wärter vor Ort, der in einer Blechbude zwischen den Gleisen 4 und 3 untergebracht war, denn das Stellwerkspersonal war mit derart vielen betrieblichen Aufgaben während der enorm dichten Zugfolge auf zwei Hauptbahnen betraut, daß die rechtzeitige Bedienung der Schranken nicht sicherzustellen war.
Nach dem Zweiten Weltkrieg nahmen die Verkehrsverstöße z.B. der Versuch, trotz sich senkender Schrankenbäume noch mit Lkw, Auto, Motorrad oder aber mit Fahrrad oder zu Fuß den Übergang zu passieren derart zu, daß sich zu den Verkehrsspitzenzeiten morgens und abends Beamte der Gendarmeriestation Gau Algesheim auf beiden Seiten des BÜ postierten, um gebührenpflichtige Verwarnungen (5 DM) zu erteilen, vor 60 Jahren 1957 immerhin zwei Arbeiterstundenlöhne.
Das Hauptproblem waren die Fußgänger und Radfahrer, denn sie mußten alle vier Gleise nebst den Flächen für die Bahnsteige überqueren und waren oft nicht schnell genug, so daß es immer wieder zu brenzligen Situationen kam.
Auf diesem Bild hat die moderne Fernsprechtechnik noch nicht vollständig Einzug in Gau-Algesheim gehalten, denn vor der Bude sieht man noch das Läutewerk, mit dem das Herannahen des Zuges akustisch angezeigt wurde, bevor der Telegraph vom Telefon abgelöst wurde.
Aber -wie im Hintergrund zu sehen- gab es auch schon eine Fernsprechstreckenleitung.

Das Bild stammt aus den Jahren um den Ersten Weltkrieg.
1902 wurde, mit dem Bau der abzweigenden Nahestrecke, auch der Bahnhof erweitert, etwa durch einen angebauten Wartesaal (man sieht auf dem Bild noch die zugemauerten Fenster des 1859 errichteten EG). Der Bahnhofsvorsteher war als Inspektor eingestuft und hatte seine Dienstwohnung im ersten Stock. Im Stock darüber wohnten die "Assistenten".
1968 erhielt der Bahnhof ein SpDrL-60-Stellwerk, das Gebäude wurde -ein Skandal erster Ordnung- bis auf Erdgeschoßhöhe abgebrochen und ihm wude ein unansehnliches Flachdach verpaßt. Onkel Hennes, der oft in Gau-Algesheim zustieg, obwohl sein Wohnort Ockenheim einen Bf hatte (aber die Nahverkehrszug-Anbindung nach Ockenheim war nicht so komfortabel wie nach Gau-Algesheim), sagte damals beim Abbruch des Bahngebäudes: "Damit ist das Ende der Bahn eingeläutet." Wie jeder Kenner der Materie weiß, hatte er damit ins Schwarze getroffen, denn ab den 1970er Jahren gab es in der BRD nur noch bahnfeindliche Entscheidungen in der Verkehrspolitik.

Auf dem Bild sieht man auch, daß auf Gleis 4 (Richtungsgleis Bingen) neuer Schotter eingebracht worden war.
Selbstverständlich in Handarbeit.
Richt- und Stopfmaschinen gab es noch nicht.
Die entsprechende Bm war damals noch die Bm Ingelheim, die bis in die 1960er Jahre bestand und neben dem Abschnitt Uhlerborn - Bingen-Gaulsheim der Rheinstrecke sowohl die Nahestrecke im Abschnitt Gau-Algesheim - Ockenheim als auch die Verbindungskurve Ockenheim - Bingen-Gaulsheim (Hindenburgbrücke) und ab 1953 (bis 1958) die Selztalbahn (Frei Weinheim - Jugenheim) zu betreuen hatte.


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 Betreff des Beitrags: Re: Onkel Hennes Bilderalbum
Ungelesener BeitragVerfasst: Do 25. Mai 2017, 12:46 
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Die Grube Dr. Geier in Waldalgesheim

Bedingt u.a. durch die Handelshemmnisse, denen sich das Deutsche Kaiserreich unterwerfen mußte, weil es sich im ersten Jahrzehnt des 20.Jahrhunderts zunehmend politisch isoliert hatte, stockte auch der Nachschub an Eisenerzen.
Daher forcierte man die Erschließung weiterer inländischer Lagerstätten und die dortige Produktionserweiterung.
Im Zuge dessen wurde auch das Mangan- und Dolomitbergwerk "Dr.Geier" bei Waldalgesheim erheblich erweitert und es erhielt 1911 eine 7,6 km lange Seilbahn durch den Binger Wald zum Rhein nach Trechtingshausen sowie eine imposante Schiffsverladeanlage, die die linke Rheinstrecke überspannte.

Mit dieser Anlage konnten pro Stunde 60 Tonnen Erz mithilfe kleiner Gondeln zum Rhein transportiert werden.
Das Bild trägt den Vermerk "Erste Beladung eines Schiffes nach Fertigstellung der Anlage am 8.August 1912".

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Diese Seilbahn war bis zum Mai 1967 in Betrieb. Aus diesem Jahr stammt auch das Bild
Bei Ausflügen in den Binger Wald habe ich oft unter ihr gestanden und das Schauspiel beobachtet.

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Sie wurde überflüssig, da man 1961 eine Bahnverladestation am Bf Bingerbrück in Betrieb genommen hatte. Hier wurde das gewonnene Erz über den Förderschacht auf das Niveau Bingerbrücks heruntergefahren und dann unterirdisch verladen, um mit einer elektrischen Grubenbahn zum Bahnhof gebracht zu werden.
Diese Anlage war dann bis zur Schließung des Bergwerks am 31.12.1971 in Betrieb.
Auf den beiden folgenden Bildern ist der Betrieb dieser unterirdischen Grubenbahn dokumentiert.

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Die Lok von der Firma AEG hatte ein Dienstgewicht von 11 Tonnen und leistete 50 kW. Meist hatte sie 12 vollbeladene Wagen am Haken. Am sogenannten Bingerlochstollen kam sie gewissermaßen kurz vor dem Bf Bingerbrück wieder ans Tageslicht. Dann mußte die B 9 mit Posten abgesperrt werden und der Zug konnte bis zur Verladeanlage am Bf vorziehen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Onkel Hennes Bilderalbum
Ungelesener BeitragVerfasst: Do 25. Mai 2017, 13:29 
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Die große Eisenbahnbrücke in Bingerbrück.

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Bereits im Mai 1858 war per Eisenbahnbrücke über die Nahe die Verbindung der "hessischen" linken Rheinstrecke bei Bingen mit der "preußischen" in Bingerbrück hergestelt worden.
Nachdem die Brücke wegen der stetig steigenden Zuggewichte gerade im Güterverkehr marode geworden war, wurde sie 1922 durch eine Stahlbogenbrücke ersetzt.
Dieses imposante Bauwerk hatte drei Gleise und zwei Fahrspuren für den Straßenverkehr.
1945 wurde sie durch amerikanische Fliegerbomben teilweise zerstört, so daß nur ein Gleis vorerst wieder in Betrieb genommen werden konnte. Später wurde die Brücke notdürftig wieder in gesamter Breite instand gesetzt, dennoch blieb sie eine Dauer-La.

1967 wurde die Brücke durch einen Neubau ersetzt. Aufgrund moderner Herstellungsverfahren konnte hierbei auf Stahlkbögen verzichtet werden. In den 1960er Jahren hatte man für den Schutz technischer Denkmäler keinen Sinn und so wurde die alte Brücke nach Fertigstellung der neuen zerlegt und eingeschmolzen.

Das Bild zeigt die Verlegung der Gleise auf der neuen Brücke. Im Hintergrund die alte Brücke, deren Tage gezählt sind. Noch aber rollt über sie der gesamte linksrheinische Bahnverkehr.
Die Aufnahme entstand während einer Baubesichtigung mit Vertretern verschieder Stellen der Bundesbahn sowie des Kreises Bingen als Baulastträger der parallel laufenden Kreisstraße. Onkel Hennes repräsentierte als Oberrat damals die BD Mainz und steht in Anzug, Krawatte und seinen markanten grauen Haaren links bei der Gruppe auf dem Gleisjoch.

Für Onkel Hennes waren solche großen Baumaßnahmen immer eine besondere Belastung, denn als Bahnbeamter alter Schule war es ihm ein Bedürfnis, die Auswirkungen auf das Betriebsgeschehen so gering wie möglich zu halten.
Er hat jede Baumaßnahme ständig vor Ort zusammen mit Gleis- und Hochbauern überwacht und dafür gesorgt, daß es keine Verzögerungen, z.B. an Weihnachten aber auch Geschenke für die Arbeiter gab, bisweilen finanziert aus eigener Tasche, wenn die Bahn mal wieder sparen mußte.

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 Betreff des Beitrags: Re: Onkel Hennes Bilderalbum
Ungelesener BeitragVerfasst: Do 25. Mai 2017, 16:15 
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Die Hindenburgbrücke und ein außerwöhnlicher Schnellzug


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Vom sogenannten "Kempter Eck" auf dem Rochusberg bei Bingen, einem beliebten Ausflugsziel bis heute aus ist diese Aufnahme für eine Postkarte 1918 entstanden.
Am 30.Juni 1930 verließen die Franzosen das seit dem Versailler Vertrag besetzte Rheinland.
In Verkennung der tatsächlichen Fakten wurde Paul von Hindenburg, seit 1925 Reichspräsident, die "Befreiung der Rheinlande" zugeschrieben und schon gab es einen Hindenburg-Kult ähnlich dem Bismarck-Kult 50 Jahre zuvor. Im Zuge dieser Verehrung wurde auch die 1176 Meter lange Rheinbrücke bei Bingen verstärkt als Hindenburgbrücke "vermarktet", obwohl sie schon ab 1918 so hieß.

Aber auch die Briten, die in Wiesbaden ein Hauptquartier unterhielten, verließen 1930 die Rheinlande, das allerdings weit weniger spektakulär.

Die Briten waren es aber, die der Hindenburgbrücke den ersten und einzigen Schnellzugverkehr in ihrer 30-jährigen Geschichte verschafften.
1925 wurde das englische Hauptquartier in Wiesbaden eröffnet. Schon beantragen die Engländer bei der Reichsbahn eine Direktverbindung zum Ärmelkanal. Die wird im Jahr darauf auch eingerichtet. Und so verläßt ab Sommerfahrplan 1926 jeden Abend um 23.39 Uhr ein luxuriöser Zug mit Schlafwagen, der D 24 ,Wiesbaden Richtung Paris. Gegen 23 Uhr passiert der Zug die Hindenburgbrücke, um 23.30 Uhr ist er in Bad Kreuznach. Nach einem Halt in Kirn zum Wasserfassen verläßt er gegen 1.20 Uhr Preußen an der Grenze zum Saargebiet und erreicht am frühen Nachmittag Paris. Dort werden zwei Kurswagen aus dem Zug herausgenommen und nach Calais weitergeleitet. Abends zum Dinner ist man dann "back home again in London".
Der Fahrplan ist eng "gestrickt" und ich persönlich gerate richtig ins Schwärmen, wenn ich sowohl an Bespannung, Reisekomfort, aber auch den Laufweg denke. Was muß das für eine interessante Fahrt durch Deutschland und Frankreich gewesen sein.
Unterwegs läßt man sich vom Kellner die Weine aus den Regionen kredenzen, die man gerade durchfährt und genießt diverse Käsesorten auf Baguettes...

Ein Jahr besteht diese Verbindung, dann wird sie wegen zu geringer Nachfrage eingestellt

Da die englischen Soldaten auch im "Feindesland" bis heute den Grundsatz pflegen: "It's easy to live comfortable" haben sie sich im hessischen Kurbad Wiesbaden mit Spielbank, Theater und bester kulinarischer Verpflegung bei angenehmem Klima sowie leicht erreichbarer anderer Sehenswürdigkeiten wie Langenschwalbach, Schlangenbad, Frankfurter Palmengarten etc. schnell bestens eingerichtet und es zog sie gar nicht mehr so oft auf die "Insel" zurück.

Apropos Insel:
In der Mitte des Rheines sieht man die zu Bingen-Gaulsheim gehörende Ilmen-Aue, die noch bis in die 1980 Jahre bewohnt und als landwirtschaftliches Gut bewirtschaftet war. Heute ist die Aue zusammen mit der im Hintergrund sichtbaren Fulder-Aue bei Ingelheim ein Naturschutzgebiet und eine wichtige Raststätte für Zugvögel.

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 Betreff des Beitrags: Re: Onkel Hennes Bilderalbum
Ungelesener BeitragVerfasst: Fr 26. Mai 2017, 18:22 
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Beiträge: 2541
Die Eiserne Hand bei Wiesbaden

Bereits 1906, sieben Jahre nach der Eröffnung der Aartalbahn (Wiesbaden-Diez), die wegen des bis 1927 noch "Langenschwalbach" und dann Bad Schwalbach genannten Kurortes "Langenschwalbcher Bahn" genannt wurde, gliederte man dem auf dem Scheitelpunkt der Strecke auf 421 m über NN gelegenen gleichnamigen Bahnhof eine Gaststätte an, denn die "Eiserne Hand" war für das damals schon bevölkerungsmäßig stark verdichtete Rhein-Main-Gebiet ein beliebtes Ausflugsziel der Naherholung.
Hier ein Bild aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, wo die Gaststätte derart frequentiert war, daß man sogar auf dem Bahnsteig Tische und Bänke aufstellte.

Selbstverständlich nahm auch der Bahnhofsvorsteher hier in den Zugpausen einen kräftigen Schoppen.

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Als touristischer Segen erwies sich die Bahn hierbei besonders im Winter, wenn wegen der vielen Ski- und Schlittenfahrer von Wiesbaden Hbf aus sogar Sonderzüge eingelegt wurden.
So hatte auch in diesem Winter 1936, als das Bild entstand, gerade ein Sonderzug auf Gleis 2 der "Eisernen Hand" ein paar Hundert Wintersportler samt "Kind und Kegel" entlassen.

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Der Wintersport auf der "Eisernen Hand" ist dann im Zuge der Klimaveränderungen sukzessive zurückgegangen. Ich selbst kann mich an Touren auf die Eiserne Hand oder den Feldberg in den 1960er Jahren noch gut erinnern. Wir allerdings fuhren schon mit dem Auto an.
Onkel Hennes mit seiner frisch angetrauten Alice hingegen nutzte 1935 noch die Bahn.
Mit drei Mal Umsteigen ab Ockenheim war man "dabei", das ganze wurde aber gerne inkauf genommen, denn damals begann das Vergnügen schon mit der gemütlichen Anreise und nicht wie heute mit den nervigen Staus im Rhein-Main-Gebiet.
Übrigens: Die engen Kurvenradien des Abschnittes Wiesbaden-Schwalbach förderten auch die Entwicklungen eines besonderen Eisenbahnwagens, des "Langenschwalbacher". Durch besondere Drehgestelle sollte die Abnutzung der Spurkränze vermindert werden.
Das Gebiet zwischen Wiesbaden und Limburg ist historisch und eisenbahnhistorisch sehr interessant. Man kann im Rahmen dieses Forumsbeitrages kaum auf alles eingehen, allein wenn man an die Persönlichkeiten denkt, die mit der Bahn nach Bad Schwalbach angereist sind: Kaiserin Sissi von Österreich, der deutsche Kaiser Wilhelm I, der russische Zar Nikolaus II oder der US-Präsident Theodore Roosevelt.
Auf eine interessante Darstellung zu Wiesbaden und der Bahn möchte ich aber hinweisen:
http://www.odenwald-bahn.de/f_h_wsb_gesch.htm

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